Kultur- und Heimatverein Radeburg e.V.

 

 

 

Dezember 2019

 

 

 


 

07. und 08. Dezember 2019 Zille Weihnachtsmarkt


November 2019

 

 

Gleich zwei „Sternstunden" gab es in Radeburg in der vergangenen Woche. Die Vorstellung einer Broschüre über „Musik in Radeburg" im Kulturbahnhof geriet am Mittwoch, dem 6. November, zu einer solchen und die unter dem Titel „Starlights Live" angekündigte „SynthPhonische Orgel Show" am Sonntag, dem 10.11.2019 in der evangelisch-lutherischen Kirche zu Radeburg geriet ebenfalls zu einer solchen.
    Sternstunden in Radeburg

 Gewöhnlich werden die Hefte der „Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Radeburg" im Ratssaal vorgestellt, doch für dieses Heft brauchte es eine andere Location, denn wenn es um Musik geht, sollte diese auch in einer musischen Atmosphäre präsentiert werden. Angemessen wäre der „Hirsch" gewesen, denn dort spielte ein Großteil der „Musik in Radeburg", wie der Titel des 17. Heftes der Schriftenreihe heißt. Auch in der Kirche spielte und spielt ein Großteil der Musik, doch dort ist es mit Speis und Trank schwierig. Nicht ganz so schwierig sollte das im Kulturbahnhof sein und so hatte Uwe Heimbach, einer der ersten Unterstützer des Bahnhofprojekts, die Idee, an diesem Ort nicht nur das Heft musikalisch zu untermahlen, sondern so viele der im Heft genannten Akteure wie möglich auf die Bühne zu bringen. Bahnhofspächter Frank Mietzsch, der zurecht behaupten kann, hier schon Musiker aus der ganzen Welt zu Gast gehabt zu haben, staunte nicht schlecht, was Radeburg an musikalischer Quantität und Qualität zu bieten hat. Die Quantität hat schon einmal dafür gesorgt, dass der ehemalige Güterboden brechend voll mit interessiertem Publikum – darunter zahlreiche gegenwärtige und ehemalige musikalische Akteure.
 Männerchor mit Damenabteilung
„Die Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster," sagte einst Martin Luther und in unserer protestantisch geprägten Stadt nahm die breite musische Aktivität aus dieser Motivation heraus ihren Anfang. So eröffnete auch ein Quartett des Posaunenchors unserer Kirche sehr passend die Veranstaltung und sowohl er als auch der Kirchenchor und die in diesem Jahr restaurierte Orgel finden ihre umfassende Würdigung im Heft. Altkantor Wilfried Börner wurde mit viel Beifall aus dem Publikum namentlich begrüßt. Der Gesang außerhalb der christlichen Gemeinschaft hat seine Anfänge im 19. Jahrhundert. Die Autorin des Heftes, Christina Koch, nannte den 1863 gegründeten Männergesangsverein als ältesten nachgewiesenen Verein dieser Art, sagte aber auch: „Es gibt Indizien, dass es auch schon 20 Jahre früher einen Chor gegeben haben muss. Im Heft gibt es manch Interessantes zu entdecken. Zum Beispiel, dass es 1927 einen zweiten Chor gab – die Damenabteilung des Männerchores. Ausführlich ist auch die Geschichte der Schulchöre beschrieben und die vergleichsweise noch junge Geschichte des 2006 gegründeten Chores des Kultur- und Heimatvereins, der gleich nach Christina Kochs Vorstellung seinen Auftritt hatte. Unter der Leitung der Gründerin und beständigen Chorleiterin Rita Richert. Zur Musik in Radeburg gehört auch der Musikunterricht. Was sicher nicht viele wissen: in Radeburg gab es einmal eine Militärmusik-Vorschule mit eigenem Schulgebäude. Heute sorgen für die musikalische Ausbildung die Musikschule Fröhlich und die Musikschule Dresden-Land.Zur Musik in Radeburg gehört außerdem das Konzertleben. Im Heft wird der in Radeburg 1912 geborene Sänger Helmut Katterfeld ausführlich erwähnt, der mit Marianne Kiefer in den 1950er Jahren ein angesagtes Duett bildete, das durch den Mauerbau getrennt wurde, denn Katterfeld wohnte zufällig in Neuköln und war von 1961 an „Westberliner". In der Chronik des Radeburger Karnevals ist der vergebliche Versuch seines Schulfreundes und Elferratsgründers Kurt Georg dokumentiert, die beiden für eine Faschingsveranstaltung noch einmal nach Radeburg zu bekommen. Umfangreich betrachtet wurde das Tanzmusikgeschehen in Radeburg. Von den einheimischen Bands bis zu den Diskotheken. Und hier griff Uwe Heimbachs Idee hinter der Idee – nämlich so viele ehemalige und aktuelle Musiker auf der Bühne zu vereinen. Gemeinsam mit den Brüdern Volker und Dietmar „Hannes" Maitschke spielte die Radeburger Musiklegende Rolf Danies noch einmal auf und erinnerte an die Zeiten der Tequilla-Combo und der Fahrenden Musikanten. Es folgten Flashpoint, bestehend aus „Hannes", Thomas Schön und Peter Jaitner mit Gastsängerin Maria Maitschke, sowie Harrjbo mit André und Rita Ruhland, Hagen Fiedler, Eckart Schleicher und Jahn Göpfert. Die Bandvorstellung beschloss „Verrockt" mit Jörg „Zäppi" Trentzsch, Frank Feuker, Uwe Heimbach und Martin Ufert. Zum Schlussbild fanden sich noch einmal Thomas, Maria, „Zäppi", André, Eckart, Martin, Frank, Jahn (im Bild verdeckt), Hagen, und Uwe zur Spontan-Band mit dem Namen „Zusammengewürfelt" auf der Bühne ein. Alle Auftritte wurden mit stürmischem Beifall bedacht, aber die Vereinigung in einer Band war der Höhepunkt des Abends schlechthin. Eine Sternstunde hier im Kulturbahnhof. Es sollte noch erwähnt werden, dass Christina Koch mit dem 17. Heft der Geschichtsreihe ihr Debüt als Redakteurin gab, nachdem seit 2005 Irene Andrä die vorhergehenden 16 Hefte „verantwortete". Irene Andräs großartige Arbeit zur Stadtgeschichte wurde – wie auch im Heft – durch den Vorsitzenden des Kultur- und Heimatvereins Jens Böhme gewürdigt. Vielleicht sind die Konzerte in Radeburg mal ein eigenes Heft wert. Von den 60er Jahren bis zur Wende gab es regelmäßig Konzerte im Hirsch in einer Konzertreihe der Konzert- und Gastspieldirektion Dresden. In Radeburg traten Bands auf wie Uwe Schikora und Panta Rhei (Vorgänger von Karat). Angesagte Sänger und Sängerinnen wie Jörg Hindemith, Dorit Gäbler, Peter Albert und Achim Menzel füllten den Hirschsaal. Unvergessen der Auftritt der Puhdys im Gewerbegebiet und eine Zeitlang gab es auch das Trucker- und Countryfestival am Stausee mit prominenten Gästen wie Linda Feller. Doch diese Veranstaltungen alle aufzuzählen hätte sicher den Rahmen des Heftes ebenso gesprengt, wie die Einbeziehung der Radeburger Ortsteile. So konnte sich das nun vorliegende Heft dann auch nur mit zwei Konzertveranstaltern im „Ortsteil" Radeburg befassen – und diese sind eben der Kulturbahnhof und der Kultur- und Heimatverein. Aber auch die „Zappelbude" und die „Kellercrew" sind seit vielen Jahren Konzertveranstalter. Dazu kämen in den Ortsteilen noch der Gasthof Strauß, die Jugendklubs der Ortsteile, BärnsdorfERleben, die Konzertreihe „Bärnsdorf Bäbt" und nicht zuletzt die Kirchen der Dörfer.

Klaus Kroemke, Radeburger Anzeiger, Erstveröffentlichung RAZ 11/2019
Fotos, Jens Böhme

 Mitglieder des Posaunenchores
 

 

 


 Der Chor des Kultur & Heimatvereins unter der Leitung von Rita Richert

 


 Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte des Kultur & Heimatvereins Christina Koch mit einführenden Worten zum Inhalt des Heftes
 

 

 Eine Erinnerung an die Tequila Combo: Rolf Danies mit Hannes und Volker Maitschke

 

Die ehemaligen "fahrenden Musikanten"
 

 



 Die Gruppe HARRJBO


 

 

 

Die Formation des heutigen Abends: "zusammengewürfelt"
 

 



 Die Gruppe "Verrockt"
 


 

 

Oktober 2019
 

 

Anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution sowie vor dem Hintergrund jüngster politischer Entwicklungen in unserem Land war es dem Kultur & Heimatverein Radeburg e. V. ein wichtiges Anliegen, jene Ereignisse in Erinnerung zu rufen, die das Leben insbesondere im Osten der Bundesrepublik Deutschland vor nunmehr dreißig Jahren grundhaft verändert haben.

Am Beispiel seines eigenen Lebensweges hat der Präsident des Sächsischen Landtages und Zeitzeuge Dr. Matthias Rößler MdL in seinem Vortrag anschaulich und nachvollziehbar politische Entwicklungen skizziert, der bei den Teilnehmern einem Spiegel gleich persönliche Erlebnisse wieder lebendig werden ließ, freudvolle Anteilnahme auslöste, aber auch  Nachdenklichkeiten beförderte. 

Dabei wurde deutlich, dass es in unserer politisch sehr bewegten Zeit mitunter schwerfällt, um inne zu halten, über politische Ereignisse und ihre Wirkungen nachzudenken und auch einmal danke zu sagen. Dies umso mehr, als die Tagesereignisse gleich einer schwerwiegenden Zentnerlast das politische Denken und Handeln zunehmend bedrücken und dominieren.

„Es ist gut und richtig, dass solche Veranstaltungen stattfinden“ waren sich die Teilnehmer nach dem Vortrag einig, vor allem auch dann, wenn es darum geht, Politik auf „Augenhöhe“ erlebbar und verständlich zu machen, die Menschen damit anzusprechen und hinzuhören, was sie bedrückt. Und dass dazu der wiederum in das Amt gewählte Präsident des Sächsischen Landtages aufgetreten ist, wurde dabei besonders gewürdigt.

 

Günter Andrä

 


 

 

Der Kultur & Heimatverein Radeburg in Edenkoben

 

Das 1250-jährige Gründungsjubiläum einer Stadt ist ein Grund zum Feiern. Organisiert vom Radeburger Partnerschaftsverein machte sich ein Reisebus voll Radeburger, an ihrer Spitze Bürgermeisterin Michaela Ritter, mit Vertretern und dem Chor des Kultur & Heimatvereins Radeburg e. V., auf den Weg in die Pfalz in das nahe zu Frankreich gelegene Edenkoben, der Partnerstadt von Radeburg.

Neunundzwanzig Jahre währt sie schon, im kommenden, im dreißigsten Jahr ihres Bestehens, soll sie nach ihrer erfolgreichen Wiederbelebung auch in Anerkennung und Erinnerung an ihre Initiatoren und Gründer in Radeburg festlich begangen werden.

Anlässlich des Jubiläums und dem damit in Verbindung auserkorenen „Partnerschaftstag" gab es am 30. August ein öffentliches Festprogramm mit dem Flair einer Weinstadt an der Südlichen Weinstraße und Petrus war dazu in Hochform und zauberte allerorts eine freudige Erwartung in die Gesichter.

In zahlreichen Begegnungen und Gesprächen war es immer wieder interessant und angenehm zu erleben, dass man als Radeburger dort nicht ganz fremd ist, auch dann, wenn man sich nicht persönlich kannte, man hatte irgendwie ganz schnell einen „Draht" zueinander. Aufgeschlossen, interessiert und fröhlich, so haben wir die Edenkobener erlebt. Das widerspiegelte sich vor allem auch im Echo auf die „öffentliche" Wahrnehmung der Radeburger „Städtepartnerschaftsdelegation".

Unsere Bürgermeisterin, Michaela Ritter überbrachte in ihrer Rede eine vom Publikum mit herzlichem Beifall aufgenommene Grußbotschaft der Partner- und Zillestadt. Bereits am Vorabend wurde im Rahmen der offiziellen Festveranstaltung im Kurpfalzsaal an Bürgermeister Ludwig Lintz als Zeichen der Verbundenheit nach einer Idee unseres Vereinsvorsitzenden Jens Böhme ein Original-Pflasterstein vom Radeburger Markt mit einer Ereignis bezogenen Inschrift übergeben.

Und dann unser Chor! Vielleicht sagt man es am besten mit den Zeilen eines extra im Bus einstudierten Liedes, das unter sangeskräftiger Mitwirkung auch aller übrigen Teilnehmer der Radeburger Partnerstadtschaftler den Höhepunkt seines mit Anteilnahme und großem Beifall bedachten Auftrittes unter Leitung von Rita Richert bedeutete:
"Lasst uns heute feiern und stoßt mit uns an auf das Geburtatagskind:
was drin ist im Glas, das geht keinen was an, nun trinkt, was man uns bringt.
Viva, la viva mein Edenkoben, Viva, la viva, wir woll´n dich loben.
Viva, la viva, la viva l’amour" …

Die Namenaweihe des als Festplatz genutzten zentralen Platzes nach dem Vormaligen Bürgermeister Werner Kastner, einem Edenkobener Urgestein, vielen Radeburgern auch bekannt, bildet nochmal einen Höhepunkt der Feierlichkeiten, an denen teilzunehmen es trotz vieler Autobahnkilometer für die Radeburger nicht nur eine ehrenvolle Aufgabe, sondern auch eine herzliche Begegnung mit vielen schönen und bleibenden Erinnerungen an Land und Leuten war. Alle Teilnehmer waren sich spätestens im Bus auf der Heimfahrt einig: Hoch und lange soll sie leben - unsere Städtepartnerschaft mit Edenkoben!

Günter Andrä
Fotos: Jens Böhme 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachlese zur Radtour des Kultur & Heimatvereins Radeburg e. V. am 25. August 2019

 

Der August hatte es auch in diesem Jahr mit dem Wetter wieder über die Maßen gut gemeint - um  30°C gab es die 16. Radtour des Radeburger Kultur & Heimatvereins in das nördliche Umfeld der Zillestadt.
 

 

 

Nach dem traditionellen Start an der Postmeilensäule ging es durch die Radeburger Heide zunächst zum Niederteich, weiter zum Mittelteich und über Kleinnaundorf nach Tauscha, dem ersten Etappenziel. Das Ganze passierte jedoch mit einiger Verspätung, da unterwegs die Defekthexe mit zwei Reifenpannen zugeschlagen hatte. Bei allem Ärger - die Profis hatten Ersatzschläuche zur Hand und der Flachs blühte - alle waren sich einig, auch so etwas gehört zu einer zünftigen und erlebnisreichen Radtour!
 

 

 

 

 

 

Die erste Besuchsstation war die zur evangelischen Jakobskirchgemeinde Sacka gehörende und am Ökumenischen Pilgerweg gelegene Kirche in Tauscha. Eingebettet in die dörfliche Idylle erweist sie sich als ein Bild und Kleinod ländlicher Beschaulichkeit. Sie beherbergt einige Schätze, so den vom berühmten Modelleur der Porzellanmanufaktur Meißen, Johann Joachim Kändler, gefertigten Holzaltar und eine mittelalterliche Holzfigur vom Heiligen Jakobus, dem Namensgeber der Kirchgemeinde. 
 

 

 

Weiter ging es nach Röhrsdorf zur am Ortseingang gelegenen Kapelle. In ihr befindet sich zum Gedenken an die im Bereich des Truppenübungsplatzes Königsbrück niedergegangenen neun Dörfer noch eine Originalglocke der ehemaligen Kirche von Krakau, dem größten Ort, der einst sogar den Status einer Stadt hatte und seit Beginn des 19. Jh. wieder Marktflecken war. Krakau lag an einer Furt durch die Pulsnitz, der damaligen Grenze zwischen der Oberlausitz und der Markgrafschaft Meißen. 1732 ließ der Sächsische Kurfürst eine Distanzsäule errichten, von der ein beschädigtes originales Wappenstück im Stadtmuseum zu Dresden erhalten blieb und zu besichtigen ist. Bis auf Rohna, das nach Ponickau eingepfarrt war, gehörten alle Dörfer zur Porochie Krakau.

Der Truppenübungsplatz bestand bis 1992. Danach wurde diese Fläche als Naturschutzgebiet „Königsbrücker Heide" festgesetzt, das mit einer Größe von 6932 Hektar das größte in Sachsen und das zwölftgrößte NaturschutzgebietDeutschlands ist.

Die Tour führte weiter, entlang der Grenze zum ehemaligen Truppenübungsplatz und heutigen Naturschutzgebiet, vorbei am Vorwerks- und Kräuterberg, nach Lüttichau Anbau, wo eine rustikale Sitzgruppe an der Straße nach Stölpchen zu einer zünftigen Rast eingeladen hatte.

Stölpchen war die nächste Zwischenstation auf dem Weg nach Liega, das nach einer schattenspendenden Fahrt durch den Wald unterhalb des Galgenbergs erreicht wurde.
 

 

 

 

Die dritte Besuchsstation war das „Traumschloss Schönfeld". Im Rahmen einer Führung lernten die Tourteilnehmer interessante Aspekte der Geschichte des Schlosses kennen. Im 13. Jh. als Wasserschloss errichtet und über die Jahrhunderte weiter ausgebaut genießt das Schloss heute den Ruf, eines der bedeutendsten Neorenaissanceschlösser Sachsens zu sein.

Nach dem vormaligen Besitz derer von Schönfeld ist das vor allem Freiherr von Burgk zu danken, der es schrittweise bis 1884 umbauen ließ. Imposant waren dabei besonders die in Holz gestalteten Zimmerdecken, die den Räumen ein unverwechselbares und ganz besonderes Gepräge geben.

Zum Tourfinale ging es zurück nach Radeburg mit einem Besuch der „4. Radeburger Sportzentrum Olympia"-Veranstaltung, die mit dem Radeburger Fußball-Cup und dem Radeburger Zille-Kegel-Cup zwei attraktive Wettbewerbe ausgelobt hat. Bei einem wohlverdienten Bierchen, Rostbratwurst und Steak ließ es sich nun unbeschwert plaudern - ein an Erlebnissen und Begegnungen reicher Tag ging zu Ende und dabei hatte man auch schon die siebzehnte Tour im Blickfeld!   

 

Günter Andrä

Fotos: Harald Prendel
 

 

 

 

Heinrich Zille gestern und heute 

Der Kultur & Heimatverein Radeburg e.V. ehrte anlässlich seines neunzigsten Todestages am 9. August 2019 mit einer Kranzniederlegung am Zille-Denkmal in Radeburg das Andenken an seinen bekanntesten Bürger und eines großen deutschen Künstlers.

Irene Andrä skizzierte in ihrer Rede mit Bezügen zu Ergebnissen der Forschungsarbeit der Arbeitsgemeinschaft Stadtgeschichte des Vereins jene Seiten Heinrich Zilles, die ihn vor allem auch als Menschen charakterisierten. Der als Grafiker, Fotograf und Maler mit dem ehrenden Beinamen „Pinselheinrich" in die Kunst- und Kulturgeschichte eingegangene Zille erlangte Berühmtheit mit seinen Darstellungen vor allem aus dem volkstümlichen Berlin.

Nach dem Studium bei Prof. Theodor Hosemann an der Königlichen Kunstschule, ersten Arbeiten als Zeichner und dann als Fotograf wandte Zille sich um die Wende zum 20. Jahrhundert zunehmend der gesellschaftlichen Unterschicht zu, die auch als Sujet in die Begrifflichkeit „Zille und sein Milljöh" einging und in Szenen mit sozialkritischen Inhalten ihren Ausdruck fanden, die anfangs als Herabwürdigung Berlins, später jedoch allgemein geschätzt wurden.

Zille folgte dabei dem Rat seines einstigen Professors … „Gehen Sie lieber auf die Straße hinaus…". Er wandte sich bewusster den sogenannten einfachen Leuten zu. Er studierte ihre Lebens-, Arbeits- und Familienverhältnisse und nahm sie quasi unter den „Pinsel" und verlieh damit der damaligen gesellschaftlichen Entwicklung im einst kaiserlichen Deutschland und nach dem I. Weltkrieg bis an die dreißiger Jahre ein bleibendes Gesicht.

Zille gestern - Popularität und Volkstümlichkeit erlangte Zille vor dem Hintergrund seiner Freundschaften z. B. mit Max Liebermann, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Otto Nagel, August Kraus. Am Anfang war es eine durch Liebermann vermittelte Ausstellung von Zeichnungen in der Berliner Sezession, später kamen Veröffentlichungen in den Witz- und Satireblättern hinzu. Zille wurde so bekannt und war besonders im einfachen Volk beliebt. Anlässlich einer Geburtstagsfeier hat Max Liebermann Zille so charakterisiert: „Das große Mitleid regt sich in ihnen, und sie beeilen sich, wie Figaro sagt, darüber zu lachen, um nicht gezwungen zu sein, darüber zu weinen. Wir spüren die Tränen hinter ihrem Lachen".

Zille heute - das ist das Wachhalten, das Erinnern an eine Persönlichkeit, die wir so nicht mehr im Alltag vorfinden. Zille lebte im wilhelminisch geprägten Zeitalter, in einer Zeit, in der das Wort und die Erfahrung des Elternhauses viel galten und ein großes Gewicht hatten. Zilles Malerei und seine Bilder können wir heute als seine ganz spezielle, auch kritische Wortmeldung zu den damals bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen auffassen. Und ganz sicher hat er damals damit eines bewirkt, nämlich, in Gemeinschaft mit seinen Freunden Nachdenklichkeiten zu befördern und - dass darüber zunehmend gesprochen wurde.

Es ist durchaus eine Gewinn, wenn man sich mit Zille etwas intensiver beschäftigt, zumal sich die „Zillestadt" mit ihrem ausgeprägten Vereinsleben - „Zille-Weihnachtsmarkt" oder „Zille-Kneipen-nacht", in unmittelbarer Nähe zu ihrem geistigen Namensgeber befindet und man dort auch manchen Rat holen kann.

Günter Andrä

 

 

 

 

 Mai 2019


 in der Kirche zu Radeburg 

„O der schöne Maienmond" - Nachlese zum Frühlingsliedersingen

 

Frühling - die Sehnsuchtsjahreszeit nach den dumpfen Wintermonaten. Die Sonne gibt sich alle Mühe, das erste zarte Grün meldet nun seine Vorherrschaft an und die Vögel jubilieren um die Wette.

Das zu einer schönen Tradition gewordene Frühlingsliedersingen in der Kirche zu Radeburg führte wieder den Chor des Kultur & Heimatvereins Radeburg e. V. unter Leitung von Rita Richert und den Kirchenchor Radeburg unter Leitung von Norbert Binder zusammen. Und, bemerkenswert dabei ist auch, dass es mittlerweile viele Menschen gibt, bei denen dieser Termin einen festen Platz im etwas anspruchsvolleren „Freizeitkalender" hat.
 

 

 

 

Apropos Vögel - nach der Empfangsmelodie von „Alle Vögel sind schon da" - sangen beide Chöre zum Auftakt „Freude, schöner Götterfunken" - eine fast festliche Stimmung erfüllte den restlos besetzten Innenraum der wunderschön renovierten Radeburger Kirche.

Nach der Begrüßung durch Pfarrer Kecke wurde zum gemeinsamen Gesang der Chöre und des Publikums zu „Der Frühling hat sich eingestellt" angestimmt. Im Wechsel beider Chöre ertönten Klassiker, wie der titelgebende „O der schöne Maienmond" und „Komm, lieber Mai und mache …", dem sich der Gospelsong „Oh, happy day", gesungen vom Kirchenchor und das heiter, beschwingte „Spring, spring, spring", gesungen vom Chor des Kultur & Heimatvereins anschloss.

Natürlich spielten die gefiederten Frühlingsboten, die Vögel, dann weiter eine Rolle. Das dem Publikum sicht- und erlebbar freudebereitende gemeinsame Singen von „Alle Vögel sind schon da" folgten anschließend „Wenn ich ein Vöglein wär", „Hörst du den Vogelsang und „Auf einem Baum ein Kuckuck". Kurz vor Schluss meldete sich dann noch einmal die „Nachtigall" in dem wunderschönen Kanon: „Abendstille überall. Nur am Bach die Nachtigall" zu Wort.

„Wenn alle Brünnlein fließen" ertönte wiederum gemeinsam aus allen Kehlen, das dann zum beschwingten, von den „Comedian Harmonists" 1930 in deutscher Sprache bekannt gemachten „Wochenend und Sonnenschein" überleitete. Der Gospelsong „Amezaliwa", gesungen vom Chor des Kultur & Heimatvereins, brachte gut nacherlebbar Eigenarten des afrikanischen Gesangs mit Lebensfreude zu Gehör. 

Einen schönen Abschluss bildete schließlich das Lied „Abend wird es wieder" nach einem Text von Hoffmann von Fallersleben.

Frühling - die Sehnsuchtsjahreszeit. Das symbolische Dankeschön an alle Akteure des Abends waren passend dazu Blumen, die, dem Bild erfüllter Lebensfreude entsprechend, allen Akteuren überreicht wurden. Vorher bedankte sich die stellvertretende Vereinsvorsitzende Christina Koch in herzlichen Worten bei beiden Chören und würdigte unter starkem Beifall aller Anwesenden das Konzert als ein kulturelles Ereignis ganz besonderer Art in der Zillestadt Radeburg.

 

 

 



Text: Günter Andrä
Fotos: Jens Böhme


Gestaltung: Harald Prendel

 

 

 April 2019

www.zillelauf.deDie Organisation liegt, wie in den vergangenen Jahren auch, beim KHV der Stadt Radeburg und der TSV 1862 Radeburg.

Am 06.04.2019 findet der 26. Zillelauf statt.

Die Schirmherrschaft hat Sebastian Fischer, Landtagsabgeordneter der CDU, übernommen. Unterstützt wird der Lauf auch durch die Stadt Radeburg.
Der Lauf ist für alle aktiven Läuferinnen und Läufer der Region und darüber hinaus zur Tradition geworden. Das beweisen auch die Anmeldezahlen zwischen 600 und 700 Teilnehmern in den letzten Jahren.
Wir heißen alle Läuferinnen und Läufer herzlich willkommen.
Dank der vielen ehrenamtlichen Helfer, der Feuerwehr Radeburg und den Schützen wird der Lauf wieder zu einem sportlichen Höhepunkt in Radeburg.
 

 

 

 


 

 

 

 

 

Traditionen sind dazu da, dass man sie pflegt. Das ist nicht nur ein geflügeltes Wort, sondern auch ein Handlungsmotiv des Radeburger Kultur&Heimatvereins.

Die Kneipennacht ist fester Bestandteil der Radeburger Kulturszene mit bemerkenswerten Alleinstellungsmerkmalen und hat sich in der Zille-Stadt und ihrem Umfeld längst etabliert.

Der programmatischen Ankündigung - Live Music, Nachtshopping, Maibaum - folgten wieder zahlreiche Besucher, denen das gesellige Zusammensein mit Freunden und Bekannten in der Nacht zum Wonnemonat Mai besonders am Herzen liegt.

Trotz Baustelle „Radeburger Marktplatz" wurde dort der Maibaum für alle sichtbar in die luftige Höhe gehievt und mit diesem symbolischen „Startschuss" ging die Eröffnung einer Sonderausstellung im neugestalteten Heimatmuseum einher, die Armin Zosel gewidmet ist.

 

 

 

 

 

 

Die stellvertretende Vereinsvorsitzende Christina Koch würdigte in Anwesenheit der Radeburger Bürgermeisterin Michaela Ritter und zahlreicher Gäste mit herzlichen Worten neben der Lebensleistung des ehemaligen Direktors des Flachglaswerkes Radeburg vor allem dessen aktives, bis in die Gegenwart reichendes sportliches Engagement, mit dem es der heute Fünfundachtzigjährige auf zahlreiche Pokale und Medaillen als Landes-, Europa- und Weltmeister in Laufdisziplinen gebracht hat. Der Chor des Kultur&Heimatvereins unter Leitung von Rita Richert war mit drei Liedern, eines war namentlich direkt auf Armin Zosel zugeschnitten, zur Stelle und gab der Eröffnung einen beschwingten und fröhlich stimmenden Rahmen. In seinen Dankesworten hat Armin Zosel auch gleich klargestellt, dass er sich darauf nicht etwa ausruhen will, sondern es gehe zügig weiter. Also - Radeburg auch die Sportstadt!
 

 

 

 


 

 

Gut gelaunt und erwartungsvoll ging man nach einem kleinen Rundgang durch das neu gestaltete Radeburger Museum an die frische Luft. Es wurde nicht nur getuschelt, sondern es war auch laut zu hören: Die Stadt Radeburg kann stolz auf ihr Museum sein, das sich nach den umfänglichen Baumaßnahmen als ein Kleinod räumlicher und inhaltlicher Gestaltung darstellt. Das Wetter spielte prächtig mit und bald wimmelte es auf den Straßen wie auf dem Zillebild der diesjährigen Programmkarte, die „Kneipen" füllten sich wie andernorts auch Geschäfte des Einzelhandels, die, angefangen von „Lederwaren Weser" bis hin zur Frühjahrsmodenschau im Modehaus Luckow ihre „Kundschaft" hatten.

 

 

 

 

 

Wenn von Tradition die Rede ist, dann sind es vor allem auch die Musiker, die schon über die Jahre einen guten „Ton" angeben. Immer wieder ein Erlebnis, nicht mehr nur für Bluesliebhaber, ist die Cross-Blues Band mit ihren gerade mal zwei Mann im Hirsch, die für prächtige Stimmung sorgen und vielleicht sogar ein bisschen an die berühmte Beale-Street in Memphis erinnern.

 

Gewissermaßen ihre Kollegen, „The Novikents" haben mittlerweile im, dem Zentrum doch entlegenen Kulturbahnhof, ihr Stammpublikum. Als Magnet erweist sich dort nun auch schon seit Jahren der Single Malt Whisky Club Sachsen, der mit einem ganz interessanten Whisky-Angebot zu kleinen Preisen ebenfalls für Andrang und gute Stimmung sorgt.

 

 

 


 

 

Alle Akteure verdienen Dank, Anerkennung und größten Respekt, am Ende sind es die Vielfalt sowie die Besonderheiten Radeburgs einschließlich herausragender Persönlichkeiten, die die Kneipennacht auszeichnet und wohltuend von der allgemeinen Vorstellung, dass es nur um das Trinken geht, abhebt. Darauf ein Prosit für die dreizehnte Saison 2020!


Text: Günter Andrä
Fotos: Jens Böhme
Gestaltung: Harald Prendel

 

 

März 2019

 

 

 


 

 


 

Birkenpflanzung am Heroldstein

 

An diesem Abend stimmte eigentlich alles: Die Sonne verabschiedete sich im Westen mit aufregenden Farben, andernorts machte sich ein strahlender Mond auf die Reise, die Vögel jubilierten, ein laues Frühlingslüftchen sorgte für wohlige Temperaturen und ein erwartungsvoll gestimmtes Publikum war der Einladung des Kultur & Heimatvereis Radeburg e. V. zur Pflanzung von drei Birken auf dem „Heroldstein" gefolgt.

Der Vereinsvorsitzende Jens Böhme begrüßte alle Teilnehmer, an ihrer Spitze die Radeburger Bürgermeisterin Michaela Ritter, mit herzlichen Worten und versprach allen ein spannendes und zugleich auch nachdenklich stimmendes Stündchen ganz besonderer Radeburger Geschichte. Zunächst aber sorgte der Chor des Vereins unter Leitung von Rita Richert für einen freudvollen Auftakt nach einer bekannten Melodie mit dem Lied: „Schon wieder blühen die Birken am schönen Heroldstein …"

In ihrem Vortrag ging die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Stadtgeschichte des Vereins, Irene Andrä, auf Hintergründe ein, die zur Aufstellung des später als Heroldstein bekannten Obelisken in Form einer abgestumpften Pyramide führten, der 1854 errichtet und seit den 1920er Jahren nachweislich von fünf Birken umstanden wurde, gegenwärtig waren es noch zwei.

Was war geschehen? Ein dreiundzwanzigjähriger Medizinstudent, Ernst Herold aus dem kurhessischen Marburg, setzte am 29. Januar 1852 seinem Leben durch Freitod ein Ende, als er erfuhr, dass das junge Mädchen, das ihm ewige Treue geschworen hatte und er es als seine Braut betrachtete, einen anderen heiraten wollte. Um das zu verhindern reiste er nach Sachsen. Die Trauung sollte in Radeberg stattfinden. Infolge einer Verwechslung, man hatte ihm in Dresden den falschen Weg gewiesen, kam er am Trauungstag in Radeburg an und erschoss sich hier im Zustand völliger Verzweiflung zwischen vierzehn und fünfzehn Uhr.

Stille und Nachdenklichkeit breitete sich aus, als Irene Andrä vor diesem Hintergrund das weite Thema Liebe berührte. Leben-Liebe-Tod, der Heroldstein erinnere mit seiner Geschichte an diesen Kreislauf, der am Beispiel des jungen Studenten ganz besonders, vielfältig und eigenartig sein kann. Und die Birken? Die der Göttin Freya geweihten Birken spielten einst im germanischen Volksglauben eine große Rolle und sind noch heute in aller Munde, z. B. als Symbol des Frühlings oder sie wecken mit dem zeitigen Grün ihrer Blätter Hoffnung.

Akustisch meldete sich hierzu der Chor mit dem Lied „Der Winter ist vergangen, ich seh´ des Maien Schein" … zu Wort. Schließlich summte man die Melodie auch mit und ließ es sich bei einem Gläschen Bier, Wein oder Limo und vorzüglich „handgemachten Fettbemmchen" - ein herzliches Dankeschön an all jene, die sich hierzu verdient gemacht haben - wohl sein.

Was bleibt? Das war mal eine andere Seite aus dem reichen Geschichtsbuch der einstigen Ackerbürgerstadt Radeburg, vielleicht sogar ein bisschen Romantik. So etwas braucht es auch im Getriebe unseres immer hektischer und digitaler werdenden Alltages. Sagen wir es mit der Schlussbemerkung von Irene Andrä: Unsere Stadt hat mit den drei neu gepflanzten Birken - je eine wurde gesponsort von der Stadtverwaltung, dem Kultur & Heimatverein und den Anwohnern - einen bemerkenswerten Fleck bewahrt, einfach auch, um dort mal an- und innezuhalten, im Andenken an etwas zutiefst menschliches.

 Günter Andrä

 


 

 

 

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